Dieser Tage war ich mit meiner Freundin Petra unterwegs, um ein paar Bilder für ihr bezauberndes Baby-Accessoire-Label Mille Marille zu machen.
Da wir einen urbanen Hintergrund haben wollten, machten wir einen ausgedehnten Spaziergang durch Haidhausen, eines meiner großen Leib- und Magen-Viertel in München. Und da ich die vielen Bilder, die ich nebenher gemacht habe, nicht verkommen lassen wollte, nehme ich euch einfach kurz mit.
Da ich jetzt gar nicht weiter weiß, was ich über unseren Spaziergang schreiben soll - Haidhausen wird auch das französische Viertel genannt, alle Straßen sind hier nach Städten in Frankreich benannt, dieselben Straßenlaternen wie in Paris, ehemaliges Glasscherbenviertel welches Viertel war das eigentlich mal nicht? usw usw usw, schreibe ich lieber über ein Thema, über das ich heute zufällig bei Astrid gestolpert bin, nämlich die Frage: Was ist für dich Kultur? Diese Frage stellt diesen Monat Tanja Praske und nach kurzem Reinlesen in die bisher verlinkten Beiträge habe ich schon gesehen, dass es hier viel um den Begriff der Hochkultur geht und ich da eigentlich herzlich wenig zu suchen habe.
Für mich fängt der Kulturbegriff eigentlich schon viel weiter unten an und gerade merke ich, dass die Bilder von meinem Spaziergang vielleicht sogar ganz gut zum Thema passen.
Kultur fängt in meinen Augen schon im menschlichen Miteinander an, bei der Frage, wie man mit seinen Mitmenschen umgeht, und ja, auch mit Toleranz. Grüße ich den Nachbarn aus dem dritten Stock, obwohl er nicht der sympatischste aller Zeitgenossen ist? Mecker ich sofort los, wenn die Kassiererin im Supermarkt schusselig und nicht die Schnellste ist? Trage ich einer alten Frau mal die Taschen, mache ich einer Hochschwangeren in der U-Bahn den Sitzplatz frei?
Äh, halt, die spricht doch gerade von gutem Benehmen, was hat das denn mit Kultur zu tun? Sehr viel, finde ich, überlegt mal, miesepetrige Dauernörgler bezeichnet nicht ganz umsonst als kulturlos. Und man geht ja wohl eindeutig glücklicher durchs Leben, wenn man nicht ständig in allem nur das Schlechte sucht und sich eben, genau, kultiviert verhält.
Oder Essen, da gibt es auch nicht ganz umsonst den Begriff der Esskultur. Stimmt ja auch, denn wovon zehre ich länger, vom schönen Abendessen mit Freunden und guten Gesprächen oder vom eilig im Stehen am Kühlschrank reingeschaufelten Mampf, schnell mal die Alufolie über der kalten Lasagne von Gestern halb zur Seite gezogen und mit den Fingern reingefasst? Zugegeben, es macht mir gerade mehr Spaß, vorm inneren Auge das Kühlschrankbild entstehen zu lassen, aber unterm Strich hatte ich in meinem Leben mehr gute Gespräche bei Koch- und Essenstreffen mit Freunden als alleine mit meinem Kühlschrank, der sagt nämlich einfach nix, der verstockte Kerl.
Und Kultur bedeutet für mich, sich einfach mal dem Augenblick hingeben zu können, und da haben wir dann doch die Verbindung zur Hochkultur. Ich kann mich im Kleinen dem Augenblick hingeben, indem ich es einfach genieße, der Tochter Klein beim Blumenpflücken zuzusehen. Mich in eine Wiese legen und einfach spüren, wie der Wind um die Nase streift. Beim Pausenkaffee auf der Bank hinterm Haus kurz mal die Augen zu machen und das Draußen ausblenden.
Gehe ich dann ins Konzert, mache ich es einfach genauso, ich genieße die Musik und gehe nicht nebenher im Kopf schon meine to-do-Liste für Morgen durch.
Jetzt bin ich aber ganz schön abgeschweift bei meinem kleinen Samstagsspaziergang. Es ist schon interessant, was einem alles an Gedanken kommt, wenn man mal anfängt, sich zu überlegen, was Kultur eigentlich ist. Wie sieht es bei euch aus, bedeutet für euch Kultur nur Oper, Museum, Theater und Ähnliches oder seht ihr auch im Alltag eine Menge Kultur?
xxx
Karin
Für alle, die unseren kleinen Spaziergang mal nachspazieren wollen: Unsere Runde ging vom Pariser Platz durch die Pariser Straße zum Bordeauxplatz. Von dort durch die Wörthstraße in die Preysingstraße, wo es es zwischen den Häusern einen kleinen Durchgang zum Johannisplatz gibt. Durch die Chorherrstraße zum Wiener Platz und über Steinstraße und Preysingstraße zurück zur Wörthstraße. Dort rechts in die Comeniusstraße, gleich wieder links in die Sedanstraße und rechts durch die Metzstraße zum Weißenburger Platz, durch die Weißenburger Straße zurück zum Pariser Platz. Hört sich kompliziert an, ist aber mit Stadtplan oder GPS einer der schönsten Stadtspaziergänge in München.
Die Lokalitäten und Läden, in denen wir fotografiert haben, sind das Café Fortuna in der Metzstraße, die Kaffeeküche in der Weißenburger Straße, das Kochhaus in der Weißenburger Straße und das Fresh House in der Pariser Straße. Danke nochmal, dass wir dort fotografieren durften!




