Donnerstag, 11. Juni 2015

Schon wieder gepunktet. Und schon wieder gesmokt.



Dieser Tage hatten wir mal Zeit, zu den Rehen zu radeln und es war auch noch warm genug, um der Tochter Klein das neueste Punktekleid anzuziehen. Letzte Woche habe ich euch ja schon von meiner neuesten Vorliebe für Gesmoktes erzählt (Papas Hemd kommt noch, versprochen!!!) und auf den Bildern konntet ihr ja auch schon das braune Hängerchen sehen, das bereits in den Shop gewandert ist. Das Kleid konnte ich aber noch nicht adäquat ablichten und da kam mir der kleine Ausflug gerade recht. Und ich sage euch, könnte man einen Post mit Ton unterlegen kann man wahrscheinlich und ich weiß es bloß nicht, hätte ich das diesmal getan. Zu den Rehen zu radeln ist für die Tochter Klein das Höchste und sie hat den ganzen Nachmittag gesungen, auf der Fahrt ganz laut, beim Blättersammeln Rehfutter! leise vor sich hinsummend, hach, das sind so Momente, in denen man sein Kind vor lauter Entzücken auffressen könnte.






Gleich hier in der Nähe ist am Waldrand ein großes Rehgehege und obwohl ich immer ein wenig beklommen bin, wenn wir dort hinfahren - eigentlich ist es das lebende Fleischlager des daneben liegenden Edelrestaurants - bin ich dann doch immer ganz verliebt in diese süßen zutraulichen Tiere.

Für viele Kinder in der Gegend ist das natürlich ein magischer Anziehungspunkt und bald ist die Tochter Klein soweit, dass sie mit ihren Freundinnen alleine hinradeln kann.






A propos alleine radeln.... ich genieße es ja sehr, dass meine Jüngste jetzt auch endlich unabhängiger von mir wird, Nachmittags alleine zu ihren Freundinnen schaut, alleine in die Schule rollert und auch mal für mich schnell zum Bäcker radelt. Das sind alles minimale Entfernungen und Wege, die sie schon hunderte von Malen mit mir gegangen ist, aber die Zeiten ändern sich und inzwischen haben sich unter Müttern anscheinend zwei Fronten gebildet - die, die ihr Kind keinen Schritt alleine gehen lassen und die, die jeden Schritt weiter in die Selbständigkeit begrüßen und fördern. Ich sags gleich, ich gehöre zur zweiten Sorte.

Ich weiß nicht, ob ich da zuuu locker bin, aber da die Mütter ihrer Freundinnen eher genauso ticken, sehe ich da auch keinerlei Problem. Wir wohnen direkt am Waldrand in einer Sackgasse und allzu viel Autoverkehr gibt es hier nicht, dafür umso mehr radelnde, rollernde, rennende, skateboardende spielende Kinder. In den Wald trauen sich die Mädchen sowieso fast gar nicht, und außerdem sind dort die gesammelten Hundebesitzer aus der Nachbarschaft unterwegs, die die Kinder kennen. Und wenn meine Tochter sagt, sie geht mit Freundin X zur Blumenwiese, vertraue ich ihr da.






Vor kurzem war ich allerdings echt schockiert, als sie eine Schulfreundin zu Besuch hatte, die die 800m Entfernung bei schönstem Wetter mit dem Auto gebracht wurde. Allerdings war die Mutter wohl noch mehr schockiert von mir, beim Abholen waren die Mädels nämlich nicht barbiespielend im Kinderzimmer, sondern am Ende der Straße, das sind fast HUNDERT METER von uns! Und da sind die ALLEIN hin! Unbeaufsichtigt! Und jetzt kommts noch schlimmer: dort kletterten sie AUF EINEN BAUM!! Oje, da bin ich jetzt wohl lebenslang untendurch, wurde mir auch schon von anderen Seiten zugetragen. Das Mädchen kann mit sieben Jahren übrigens weder Schwimmen noch Radfahren. Könnte ja was passieren.






Also, ich weiß nicht, soooo schlimm finde ich das nicht, wenn die alleine auf Bäume klettern, natürlich kann da was passieren, aber die Wahrscheinlichkeit, dass was wirklich Schlimmes passiert, ist doch eher gering, oder? Und offen gestanden treibt mich jetzt nicht so sehr die Angst um, dass ausgerechnet hier am Ende unserer Straße bergeweise Gewalttäter in den Büschen lauern.

Trotzdem, mir wurde meine Verantwortungslosigkeit gehörig um die Ohren gehauen und irgendwie habe ich mich ganz hilflos gefühlt. Jedenfalls wurde mir ein gewaltig schlechtes Gewissen eingepflanzt, ob ich das überhaupt darf, bei anderen Kindern dieselbe Lockerheit an den Tag legen wie bei meinen eigenen.






Hups, in die Richtung sollte das jetzt eigentlich gar nicht gehen, aber ihr merkt schon, das Erlebnis hat mich sehr beschäftigt. Wie seht ihr das? Bin ich zu sorglos oder sollten manche Mütter etwas mehr lockerlassen? Gibt es da überhaupt einen goldenen Mittelweg?

xxx

Karin






Kommentare:

  1. Punkte gehen immer und dann noch in einer so tollen Farbe........Du bist auf keine Fall sorglos, Kinder müssen solche Erlebnisse haben, das stärkt sie und sie werden zu kleinen Persönlichkeiten.....Viele andere Mütter sollten locker lassen und ihre Kinder dem Alter entsprechend behandeln, dies merke ich in der Schule tagtäglich und ich bin manchmal fassungslos ....also bleib wie du bist und lass dir kein schlechtes Gewissen einreden.

    ganz liebe Grüße Bella

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  2. Oh, liebe Karin...das ist ein gaaaanz schwieriges Thema, was ich nicht so einfach beantworten kann...auch nicht nach dem dritten Kind. Mein jüngestes Kind hat vor fast nichts Angst, klettert schon ewig auf Bäume und ist auch schon in der ersten Klasse mit dem Fahrrad zur Freundin gefahren. Ich habe als Mutter dann doch immer wieder gebangt, dass sie die anderen Kinder nicht auch noch zu waghalsigen Dingen anstiftet...denn da konnte man nie sicher sein...Ich gebe zu, ich bin schon ein wenig ängstlich, meine Töchter ganz allein in der Weltgeschichte herumzuschicken...In den Wald dürfen sie jedenfalls nicht allein gehen...auch nicht mit Hund. Ich habe selbst als Kind zwei sehr unschöne Erlebnisse gehabt, die möchte ich meinen Töchtern ersparen. Meine jüngste jedenfalls kam schon einmal sehr, sehr aufgeregt nach Hause gerannt und meinte, ein Mann hätte sie verfolgt...Mein Mann hat mal zu Halloween ohne mein Wissen meine Tochter mit einer Freundin im Grundschulalter allein losgeschickt...um an fremden Türen zu klingeln...da habe ich gedacht, ich sterbe vor Angst, weil sie zunächst gar nicht wiederkamen...Ich sag ja...schwieriges Thema...LG Lotta.

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  3. Oh wie ich dich verstehen kann! Bei unserem Urlaub vor drei (schluck, schon so lange her) Jahren, als unser Sohn noch ziemlich klein war, saß meine Tochter bei unseren Fahrten auch immer hintendrin und sang kräftig zu der musikreichen CD mit, und ich sagte damals zu meinem Mann: Das ist Glück! (ich sehe die Situation noch ganz genau vor mir.)
    Das Kleid deiner Tochter (schön, sie mal zu sehen) ist wirklich schön. Meine Tochter ist ja gerade 8 Jahre alt geworden und wir befinden uns auch in der Loslass-Phase. Ich finde das sehr wichtig und finde, sobald man ihnen im Straßenverkehr vertrauen kann, können sie auch alleine losmarschieren. Zumindest ein Stück ;-)) Laß dir bloß nichts von so ängstlichen Glucken einreden, ich denke du machst es genau richtig. Ist ja auch so eine Bauchgefühlsache, ob man sich gut dabei fühlt, wobei es anfangs schon komisch ist, wenn sie alleine weggehen und man erstmals keine Rückmeldung über ihr Ankommen bekommt. Deine Bilder finde ich mal wieder großartig udnd deine Tochter mit dem Hut ganz entzückend.
    Liebe Grüße
    Jutta

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  4. Liebe Karin,
    mach Dir da mal keinen Kopf, Du machst das alles sehr richtig. Ich jedenfalls sehe da auch nicht alles so eng als andere. Als F. 5 war und die Kinder aus der Nachbarschaft haben geklingelt, ob er mit rauskommt zum Radfahren, hab ich schonmal geschluckt und mich an diese "neue Freiheit" erstmal gewöhnen müssen. Aber ich habe gelernt zu vertrauen, ich weiß, ich kann mich verlassen. Ich stecke genau das Gebiet ab, wie weit er alleine darf, wenn er wo zum Spielen ist und sie wechseln die "Location" möchte ich Bescheid wissen und bisher hat das immer sehr gut funktioniert. Er weiß aber auch, funktioniert es mal nicht, muss er eben auf diese neue Freiheit ganz schnell wieder verzichten. Es ist in der Tat irgendwo ein Stück geben und nehmen. Dass ein Kind -aus lauter Angst der Eltern- mit 7 Jahren noch kein Rad fahren kann, ist einfach nur tragisch und schlimm, es kann ja selbst gar nix für. Und egal was man Dir da nun nachsagt, geb nix drauf, Fehler scheinen da andere zu machen.

    Ich denke ein Patentrezept gibt es nicht. Jeder hat die Freiheit, sein Kind so zu erziehen, wie er das möchte. Da ist auch ok bzw. sogar auch gut so. Nur sollte alles zum Wohl der Kinder geschehen. Mir geht beispielsweise die Hutschnur hoch, wenn Kinder nicht in den Wald dürfen, weil man vielleicht dreckig wird. Oder heute erzählt mir eine Mutter ganz stolz am Kindergarten, dass ihr Sohn nun ENDLICH ein Tablet bekommt, weil er sich das doch schon so lange wünscht. Der Junge ist gerade mal 5 Jahre alt. Ich war entsetzt.

    Da lass ich meinen doch hundertmal lieber alleine nen Baum hochklettern, denn halten kann ich ihn auch nicht, wenn ich neben dran stehe. Und das heißt nicht, dass ich mich nicht kümmern würde.... ganz und gar nicht. Aber ich hatte selbst eine Mutter, die immer Angst vor allem hatte und ich durfte sehr Vieles nicht - ich hab mir immer geschworen: so werde ich mal nicht. Und bisher klappt dieser Vorsatz ganz gut.

    Aktuell gibt es ja ganz viele Diskussionen in diversen Blogs, die genau davon handeln, auch von dem Thema "Verweichlichung der Kinder durch falsche Erziehung". Aus dieser Sache habe ich mich bisher ganz bewusst herausgehalten, denn bei manchen Meinungen kann ich nur den Kopf schütteln.

    Aber eben auch ein Thema, in dem es kein richtig und kein falsch gibt und man wohl noch ewig hier philosophieren könnte. Deshalb hör ich an der Stelle lieber auf und machs mir mit nem Glas Wein auf dem Sofa gemütlich.....

    Hab nen schönen Abend,
    Pamy

    die Bilder und das Kleid sind übrigens super (das ging ja jetzt irgendwie unter) :)

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  5. AUF BÄÄÄÄUME? MIT BLÄTTERN UND ÄSTEN UND INSEKTEN UND SO:::GAAANZ HOCH HINAUF???? UND DANN AUCH NOCH AAAALEEEEIIIIINE?

    Also meine Kinder dürfen zum spielen kommen ;-)

    Liebe Grüße
    Ebenfalls von der 2. Fraktion!

    Catrin

    P.S. Das Kleid ist toll!

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  6. Hör auf dein Herz! Du kannst es nicht allen Recht machen, und die Mütter, die ihr schlechtes gewissen durch Überbehütung abarbeiten, nehmen leider zu.
    Fotos & Kleid: Wie immer eins+!
    GLG
    Astrid

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  7. Das Kleid ist wunderschön und deine Tochter macht wirklich einen sehr glücklichen Eindruck.
    Gib im www einfach mal "Helikopter-Eltern" ein, denn etwas anderes sind es nicht ;-). Unser Sohn ist heute ein ausgeglichener Jugendlicher mit einer wunderbaren Erinnerung an seine Kindheit inkl. Kletterexpeditionen wunden Knien etc.
    Herzlichst Ulla

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  8. Huaaaah, ich kann Dich zu gut verstehen, liebe Karin! Ich lasse meine Kinder laufen und dass seit Jahren. Die große ist schon mit 3 alleine ein paar Häuser weiter zur Freundin gegangen und wieder heim gekommen. Zur Schule (1 km) ist sie am zweiten Tag mit den 2.Klässlern gelaufen und bald auch schon mit dem Roller gefahren. Meine Kleine (1. Klasse) fährt auch weitestgehend alleine im Dorf zum Chor und dergleichen. Ganz ehrlich, was machen die Eltern, wenn die Kinder auf die weiterführende Schule müssen? Immer noch Händchen halten? Wo die Kinder von uns alle mit der S-Bahn los müssen? Klettern ist übrigens eine wichtigere Erfahrung, als das "1 x 1" schon im Mutterleib eingetrichtert zu bekommen! ;-)
    GLG von fast nebenan
    Henrike

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  9. Sich selbst lockern und loslassen... schadet den Kindern nicht und fördert eine gesunde Entwicklung hin zum "sich selber vertrauen"! Kinder nicht (altersgerecht) losziehen lassen bedeutet auch "nicht vertrauen" und wenn ich dem Kind nur spiegel, "hey, eigentlich vertraue ich dir nicht, dass du das schaffst" , dann kann das Kind auch kein Vertrauen in sich selber finden. Diese Mutter weiss nun, welche Spielregeln es bei dir gibt ... ob sie weitere Verabredungen fördert liegt an ihr. Lass dich nicht verunsichern, du kannst deinem KInd Vertrauen schenken und das ist gut so!
    Schöne Bilder wieder und toll, dass sich dein Mädchen so in sich selbst verlieren konnte und ihre innere Zufriedenheit im Gesang nach außen zeigt-Glücksmomente pur!!!
    LG, Lilli

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  10. Ich sehe es wie du. Meine Tochter ist jetzt 10 und geht in die 4. Klasse. Ab September dann aufs Gymnasium-mit dem rad 15 Minuten! Meine Tochter fährt seit 3 jahren mit dem roller ins DLRG und zu Freundinnen.seit neuesten mit dem Rad. Denn seit ende März hat sie ihre radprüfung und seitdem gibt es kein halten mehr. Alles wird mit dem rad gemacht. Solche Mütter, wie du beschreibst, stehen meiner Meinung ihren kindern in der Selbständigkeit im weg und tun ihnen damit keinen Gefallen. Klar es kann immer was passieren aber das Leben ist halt so. Mach dir keinen Kopf und lasse es nicht zu, dass du deine Tochter jetzt denselben zwängen der anderen Müttern hin gibst. Du machst das richtig.
    Im übrigen wohnen wir an der ortsduchgangsstrasse und unser ort hat 8500 Einwohner
    Lg

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